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Bürgermeister hat die Glocken der Inklusion läuten gehört...

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Bild mit VIBRA und Bürgermeister

Foto privat copyrightfrei, Personen (von links nach rechts): Karin Keune, Harald Birkenkamp; Christian Keune, Monika Großhanten, Barbara Emser

Am letzten Donnerstag, 20.03.2014 schallte es laut aus dem Amtszimmer des Bürgermeisters. Christian Keune, 10 Jahre alt, Down-Syndrom, Schüler der Eduard Dietrich Regelgrundschule, hantierte mit den Amtsglocken von Harald Birkenkamp während die VIBRA- Aktivistinnen, dem Kandidaten der Bürger Union ihre Wahlprüfsteine zur Inklusion persönlich überreichten. Ein Fragenkatalog soll klären was Menschen mit Behinderungen zum Thema Inklusion vom Kandidaten zu erwarten haben und vor allem, wie es für Schüler wie Christian zum kommenden Schuljahr an den weiterführenden Schulen in Ratingen weitergeht. Was fehlt ist eine verbindliche Planung der inklusiven Beschulung im Regelschulsystem, die eine konzeptionelle Verankerung des gemeinsamen zieldifferenten Lernens auch für Kinder mit Lernschwierigkeiten ermöglicht, wie es in den Nachbarstädten Heiligenhaus, Hilden, Düsseldorf, Köln und Bonn schon erfolgt ist.

Ratinger Schulen haben sich dem Thema Inklusion eher zögerlich genähert. Lediglich an zwei Grundschulen wird im Konzept des Gemeinsamen Unterrichts gelernt: an der Astrid Lindgren und der Eduard Dietrich Grundschule. An den weiterführenden Schule gibt es bisher keine Konzeption des Gemeinsamen zieldifferenten Lernens, wie VIBRA Vorstand Karin Keune, Mutter von Christian, dem Chef der Verwaltung erklärte: „ Wir haben zwar vom Schulamt ein formales Angebot bekommen, Christian am Gymnasium anzumelden. Aber wie soll ein geistig behindertes Kind am Gymnasium mit Regelschülern gemeinsam lernen, wenn keine gemeinsame Unterrichtsgestaltung geplant wird?“ So wie Karin Keune geht es auch anderen Eltern, die den rein formalen Vorschlag der unteren Schulaufsicht schlicht ablehnten. Bisher wurden geistig behinderte Schülerinnen und Schüler im SEK I der Regelschule nicht beschult.

Die Führungsspitze des Rathauses zeigte sich im Gespräch aufgeschlossen: „Wir wollen das in Ratingen in jedem einzelnen Fall der Elternwille berücksichtigt wird“. Die finanzielle Auswirkung der Inklusion  sind für Birkenkamp aber der Dreh- und Angelpunkt. Der Städte und Gemeindebund will gegen das Land klagen, da er das Konnexitätsprinzip verletzt sieht und Ratingen soll auf diesen Zug aufspringen. Was dabei in den Hintergrund rückt ist die gesetzliche Regelung. Durch das neue Schulgesetz besteht sowohl für Eltern das Wahlrecht zwischen einer Regel- und Förderschule als auch die Verpflichtung für den Schulträger zur Sicherung eines gleichmäßigen, inklusiven und alle Schulformen und Schularten umfassenden Schulangebots. Damit weg von der Einzelfallregelung, wie sie bislang in Ratingen praktiziert wird.

Birkenkamp will sich jetzt der Sache persönlich annehmen. Eine Erörterung innerhalb der Verwaltungsspitze mit Beigeordneten Rolf Steuwe soll Klärung bringen. Steuwe hatte im November letzten Jahres eine Vorlage gesondert zur schulischen Inklusion angekündigt, die bisher aber nicht eingestellt wurde. Im Gespräch mit VIBRA wurde auch die Bildung von Schwerpunktschulen für Inklusion erörtert, sodass sich jüngstes VIBRA-Mitglied Monika Großhanten am Ende sicher war: „ Christian hat den Bürgermeister mit seinen eigenen Amtsglocken für die Inklusion wachgerüttelt“. Schön wäre es, wenn für Schülerinnen und Schüler wie Christian das Gemeinsame Lernen nach den Sommerferien weitergeht.

 

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